Ein Wunder ist geschehen

Diesen Ausspruch verwenden Menschen gerne, wenn etwas eintritt, das sie nicht für möglich gehalten haben. Dabei kann es ein Ereignis sein, das extrem unwahrscheinlich ist oder aber nach den bekannten Naturgesetzen schlichtweg unmöglich. Nun kennen die Menschen der heutigen Zeit dank des wissenschaftlichen Fortschritts deutlich mehr Gesetzmäßigkeiten der Natur als das im Altertum der Fall war. Ist das ein Grund dafür, dass es heutzutage immer seltener Berichte über Wunder zu lesen gibt?

Wenn man im Christentum von Wundern spricht, so sind das im engeren Sinne nicht die göttlichen Hilfestellungen, die die Akteure im Alten Testament erhalten haben: Abrahams Frau Sara, die im hohen Alter schwanger wurde, oder Moses, der das Rote Meer teilen konnte, hatten aus unserer Sicht unmögliche Dinge erlebt, aber der Begriff Wunder findet hier keine Anwendung.

Wunder tauchen im Christentum erst im Neuen Testament mit dem Wirken von Jesus von Nazareth auf. Die Wunder, die er vollbracht haben soll, werden interpretiert als Zeichen, dass Jesus im Auftrag Gottes gehandelt hat. Ihm werden Austreibungen von Dämonen, Krankenheilungen und Totenerweckungen zugeschrieben. Er konnte Wasser in Wein verwandeln, sorgte für ausreichend Nahrung durch Fische und konnte Tausende von Menschen speisen. Ebenso wundersam war seine Fähigkeit, auf dem Wasser zu gehen. Alles Dinge, die nicht erklärbar waren ohne den göttlichen Auftrag. Als das eigentliche Hauptwunder wird aber die Kreuzigung Jesu und die damit verbundene Vergebung der Sünden aller Menschen angesehen, in Kombination mit seiner Wiederauferstehung.

Aus mittelalterlicher Zeit sind einige Heiligenlegenden überliefert, in den von Wundern berichtet wird. Meist handelt es sich dabei um Heilungen von Kranken, die durch die Hilfe der Heiligen zustande kamen. Solche Erzählungen findet man oft in den Lebensgeschichten heiliger Bischöfe. So werden dem Heiligen Antonius von Padua unzählige Wundertaten zugeschrieben.

In der Neuzeit kommen viele Wunderberichte aus Wallfahrtsorten, geschehen durch die Fürsprache von Heiligen. Für Heiligsprechungen in der katholischen Kirche sind zwei anerkannte Wunder erforderlich, falls es sich nicht um einen Märtyrer handelt.

Einer der bekanntesten Wallfahrtsorte liegt in Frankreich. In Lourdes soll im 19. Jahrhundert einem Jungen Mädchen namens Bernadette wiederholt die Mutter Gottes in einer Grotte erschienen sein. Aufgrund dieser Marienerscheinung legte sie eine Quelle frei, deren Wasser heute bei Gläubigen als heilkräftig gilt. Jährlich pilgern Millionen von Besuchern zu der heiligen Quelle von Lourdes und viele nehmen ein Bad im Quellwasser, da sie sich Heilung von Krankheiten und Gebrechen versprechen.

Ebenfalls Marienerscheinungen hatten drei Hirtenkinder im portugiesischen Fatima, berühmt wurden die drei Geheimnisse von Fatima, die unter anderem das Ende des Ersten Weltkrieges und die Verhinderung des Papst-Attentates vorhergesagt haben sollen. Viele Päpste hatten zu diesem Wallfahrtsort eine besondere Beziehung.

Um die Selig- und Heiligsprechung des Papstes Johannes Paul II. zügig vorantreiben zu können, wurden ihm Wunder zugeschrieben, die er nach seinem Tode vollbracht haben soll, die Heilung einer Nonne von der Parkinson-Krankheit und die Heilung einer Frau aus Costa Rica, die an einer gefährlichen Gefäßerkrankung litt, sollen durch ihn erfolgt sein.

Auch in diesem Jahr hat ein weiterer Papst die Hürde zur Heiligsprechung genommen, Paul VI. wurde die nicht durchgeführte Abtreibung eines Mädchens zugeschrieben. Doch nicht nur Päpsten werden Wunder zugeschrieben, auch die Deutsche Katharina Kaspar steht kurz vor ihrer Heiligsprechung aufgrund anerkannter Wunder.